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Niederdeutsches Theater Braunschweig
NT Braunschweig
nt-bs.de

Rezension "De letzte Pinguin"

Das Niederdeutsche Theater Braunschweig zeigt „De letzte Pinguin“

Von Alexandra Wolff

Die Europapolitikerin und Vorsitzende der World-Penguin-Association (WPA), ein Pinguin-Experte und ein Vlogger-Paar, aber auch noch weitere Kreuzfahrt-Teilnehmer haben ein Ziel: Südgeorgien in der Antarktis, wo die WPA ein Schutzgebiet für die letzten freilebenden Pinguine einrichtet. „Komödie von Sönke Andresen“ steht auf dem Flyer zu dem Stück – „dystopische Komödie“ trifft es eher. Das Stück „Der letzte Pinguin“ hat Christian Richard Bauer ins Niederdeutsche übersetzt und das Niederdeutsche Theater feierte damit am 24. Oktober Premiere.

Trotz der ernsten Thematik beginnt das Stück mit mehreren kleinen Gags – auch out oft the box. So beschwert sich jemand, dass man den Kapitän noch nicht einmal beim Kapitäns-Dinner gesehen habe, sondern nur seine Durchsagen hört. „Als ob er nur eine Stimme vom Band wäre“, sagt Hannelore Strackmann-Siebeknecht (Martina Knackstedt). Und genau das ist er: Regisseur Reimer Hebbeln hat ihn eingesprochen.

Wie sehr Hannelore von der WPA das Wohl der Pinguine am Herzen liegt, kann niemandem entgehen, denn sie gendert sogar Pinguin – obwohl der Vogel doch schon eine weibliche Endung hat. Wie sehr den beiden Vloggern Steffi (Anna Rautenberg) und Konstantin (Daniel E. Jenner Herrmann) das Wohl der Pinguine am Herzen liegt, kann niemandem entgehen, denn Steffi freut sich so sehr aufs Penguin-Cuddling. Und Konstantin versichert seiner Angebeteten, dass sie noch mehr Follower gewinnen, weil Umweltschutz doch gerade total in sei, siehe Letzte Generation und Fridays for Future. Wie sehr der alkoholabhängigen Sängerin Jutta Hansen (Christiane Scarpino) und ihrer Managerin Hilda Schneider (Martina Lüders) das Wohl der Pinguine am Herzen liegt, kann niemandem entgehen, denn Hilda soll ein Lied über Pinguine singen – wenn nicht sogar ein ganzes Musical.

Mit anderem Worten: Der einzige, der sich aufrichtig für Pinguine interessiert, ist Gisbert Wolf (Helmut Köcher). Der Pinguin-Experte trägt wohl nicht zufällig einen Namen, der an den Polarforscher Arved Fuchs erinnert. Nur ihm fällt das Paradoxon auf, dass ausgerechnet ein Kreuzfahrtschiff in ökologischer Mission unterwegs ist. Doch Chef-Hostess Daau Villaflor (Angelika Köcher) versichert, dass das Schiff mit 13 Prozent recyceltem Frittierfett fährt. Angelika hat verstanden: Je ernster man so eine lächerliche Aussage versichert, umso witziger wird sie: „Man fährt also klimaneutral, ohne einen Cent dazu zu bezahlen.“ Ein Fielmann-Slogan in der Kreuzfahrt-Branche.

Genau diesen Ernst bewahrt sich auch Helmut, wenn sein Gisbert sich in seinen Vortrag über Pinguine einen Wolf redet. Dietmar Friedrich spielt seinen Kreuzfahrtreisenden Rüdiger Strunz von Anfang an strunzen-doof, doch während des Vortrags bekommt er auch noch Hunger. Steffi fragt alle, wo ihr Konstantin geblieben ist und Jutta erzählt ihrem Fan Ines Strunz (Karola Gordian), dass ihre Lieblingssängerin tot sei.

Als sie Penguin-Island endlich erreichen, zeigen die Menschen ihr wahres Gesicht.

Aber mehr wollen wir hier noch nicht verraten. Wie es weiter geht sehen Sie in der Vorstellung im KULT oder im Braunschweig-Kolleg. Viel Spaß.

Das Niederdeutsche Theater führt „De letzte Pinguin“ noch am Samstag, 31. Oktober um 19:30 Uhr und am Sonntag, 1. November um 16:00 Uhr im KULT auf. Dann gibt es noch ein Gastspiel am Sonntag, 8. November, um 16 Uhr im Braunschweig-Kolleg.

Konstantin glaubt, dass Steffis Beauty-Vlog auch Umweltaktivisten anspricht.
Konstantin (Daniel E. Jenner Herrmann) glaubt, dass Steffis (Anna Rautenberg) Beauty-Vlog auch Umweltaktivisten anspricht. Foto: Alexandra Wolff
Die Ehe von Rüdiger  und Ines Strunz ist längst nicht mehr im Gleichklang.
Die Ehe von Rüdiger (Dietmar Friedrich) und Ines Strunz (Karola Gordian) ist längst nicht mehr im Gleichklang. Foto: Alexandra Wolff
Gisbert Wolf zeigt Ines Strunz, wie Pinguine laufen.
Gisbert Wolf (Helmut Köcher) zeigt Ines Strunz (Karola Gordian), wie Pinguine laufen. Foto: Alexandra Wolff